Eisbaden am Bodensee: Warum wir im Winter freiwillig in den Schleinsee steigen

Kalte Hände. Schneller Atem. Und dieser eine Gedanke: Warum um alles in der Welt sollte ich da jetzt hineingehen?

Wer im Januar am Schleinsee steht, denkt wahrscheinlich nicht als Erstes ans Baden.

Die Wiesen sind still. Über dem Wasser liegt vielleicht noch ein leichter Morgennebel. Die Luft ist klar und kalt. Der See wirkt ruhig, beinahe unbewegt.

Und dann soll man hinein.

Freiwillig.

Ins kalte Wasser.

Eisbaden ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. In Seen, Flüssen, Eistonnen und speziellen Kältebecken steigen Menschen selbst bei winterlichen Temperaturen ins Wasser.

Die einen suchen den berühmten Kältekick. Andere möchten lernen, besser mit Stress umzugehen. Manche erhoffen sich gesundheitliche Vorteile. Und wieder andere merken irgendwann: Es geht beim Eisbaden um sehr viel mehr als um kaltes Wasser.

Genau deshalb wollten wir das Thema auch zu uns an den Schleinsee holen.

Denn wenn Eisbaden irgendwo hinpasst, dann eigentlich hier.

Winterbaden und Schleinsee – diese Kombination mussten wir einfach ausprobieren

Unser eigener See gehört seit Generationen zum Hofgut Schleinsee.

Im Sommer wird darin gebadet, geschwommen und geangelt. Kinder sitzen am Ufer, Erwachsene suchen sich ein ruhiges Plätzchen am Wasser und manchmal genügt schon der Blick über den See, um ein wenig langsamer zu werden.

Aber warum sollte unser See eigentlich nur im Sommer eine Rolle spielen?

Wir hatten das Thema Eisbaden schon länger im Kopf. Einerseits, weil Kälteanwendungen inzwischen viele Menschen beschäftigen. Andererseits, weil die Verbindung aus Wasser, Natur, Ruhe und bewusster Auszeit wunderbar zu uns passt.

Also haben wir ganz gezielt nach jemandem gesucht, der Eisbaden professionell begleitet.

Uns wurde Tine Stierle empfohlen.

Und Tine wäre nicht Tine, wenn sie bei ihrem ersten Besuch einfach nur vom Ufer aus auf den Schleinsee geschaut hätte.

Sie kam im vergangenen Winter zu uns, schaute sich den See an – und stieg hinein.

Ihr Urteil danach: Der Schleinsee eignet sich wunderbar dafür.

Damit war die Idee eigentlich beschlossen.

Aber was genau ist eigentlich Eisbaden?

Der Begriff wird heute recht großzügig verwendet.

Gemeint ist meistens ein bewusstes Eintauchen in sehr kaltes Wasser. Dafür muss nicht zwingend Eis auf der Wasseroberfläche schwimmen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu sogenannter Cold Water Immersion arbeiten beispielsweise häufig mit Wassertemperaturen von höchstens 15 Grad Celsius.

Beim klassischen Winter- oder Eisbaden sind die Temperaturen teilweise deutlich niedriger.

Das Entscheidende ist dabei nicht, möglichst lange im Wasser auszuhalten.

Im Gegenteil.

Gerade für Menschen ohne Erfahrung geht es um einen kontrollierten und schrittweisen Umgang mit Kälte.

Denn sobald der Körper plötzlich mit sehr kaltem Wasser in Berührung kommt, reagiert er.

Und zwar ziemlich deutlich.

Was passiert im Körper, wenn wir ins kalte Wasser steigen?

Wer schon einmal unvermittelt in sehr kaltes Wasser gestiegen ist, kennt wahrscheinlich die erste Reaktion.

Man zieht scharf Luft ein.

Der Atem wird schneller.

Das Herz schlägt stärker.

Die Blutgefäße verengen sich.

Der Körper versucht, seine Kerntemperatur zu schützen.

Diese unmittelbare Reaktion wird als Kälteschockreaktion bezeichnet. Herzfrequenz und Blutdruck können dabei deutlich ansteigen. Deshalb sollte Eisbaden nicht mit einer spontanen Mutprobe verwechselt werden.

Genau hier wird es aber auch mental spannend.

Denn obwohl der erste Impuls vielleicht lautet:

Raus hier. Sofort.

kann man lernen, nicht panisch auf diesen Reiz zu reagieren.

Atmen.

Wahrnehmen.

Ruhig bleiben.

Und feststellen: Ich kann mit diesem unangenehmen Moment umgehen.

Für viele Menschen ist genau diese Erfahrung ein wichtiger Teil des Eisbadens.

Warum reden beim Eisbaden eigentlich alle über den Atem?

Weil er einer der wenigen Dinge ist, die wir in diesem Moment ganz bewusst beeinflussen können.

Die Kälte können wir nicht wegdiskutieren.

Wir können auch nicht beschließen, dass sich drei Grad warmes Wasser plötzlich wie die Badewanne anfühlt.

Aber wir können lernen, unsere Atmung wahrzunehmen und zu regulieren.

Tine arbeitet deshalb nicht nur mit Kälte, sondern intensiv mit Atem und Bewegung. Sie ist IHK-zertifizierte ICE Coachin, Yogalehrerin und Holistic Breathwork Coachin und begleitet Menschen dabei, Kälte nicht einfach „auszuhalten“, sondern bewusst mit ihr umzugehen.

Sie ist außerdem Projektberaterin und Dozentin bei Biohacking Bad Dürrheim und beschäftigt sich seit Jahren mit Bewegung, Atmung, Regeneration und verschiedenen Methoden, die Menschen dabei unterstützen sollen, bewusster mit ihrer körperlichen und mentalen Gesundheit umzugehen.

Eisbaden gehört für sie inzwischen selbst zum Alltag.

Ihr erster Kontakt damit entstand vor einigen Jahren eher zufällig: Für einen Filmdreh in Bad Dürrheim wurden Menschen gesucht, die ins Eiswasser steigen. Tine probierte es aus – und blieb dabei.

Heute steigt sie regelmäßig ins kalte Wasser und begleitet auch andere Menschen bei ihren ersten Erfahrungen damit.

Ist Eisbaden wirklich gesund? Deine Vorteile

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, bei dem wir ein bisschen genauer hinschauen müssen.

Denn rund ums Eisbaden gibt es inzwischen ziemlich große Versprechen.

Stärkeres Immunsystem.

Weniger Entzündungen.

Mehr Energie.

Besserer Schlaf.

Weniger Stress.

Mehr mentale Widerstandskraft.

Bessere Regeneration.

Manches davon klingt fast so, als müsse man nur morgens zwei Minuten in eine Regentonne voller Eiswürfel steigen und könne anschließend sämtliche Arzttermine aus dem Kalender streichen.

So einfach ist es nicht.

Die wissenschaftliche Forschung zur Kälteexposition ist spannend – aber viele Fragen sind noch nicht abschließend geklärt.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse untersuchte elf Studien mit insgesamt 3.177 erwachsenen Teilnehmenden.

Dabei fanden die Forschenden unter anderem Hinweise auf eine zeitversetzte Verringerung des empfundenen Stresses nach Kälteanwendungen sowie auf mögliche Verbesserungen bei Schlafqualität und Lebensqualität.

Für eine unmittelbare Verbesserung der Immunfunktion fanden sich in der Meta-Analyse dagegen keine eindeutigen Belege. Die Forschenden weisen außerdem darauf hin, dass bislang nur relativ wenige hochwertige Untersuchungen existieren und weitere Forschung nötig ist.

Auch eine wissenschaftliche Übersicht zum Winterschwimmen kommt zu einem ähnlichen Bild: Es gibt interessante Hinweise auf mögliche positive Effekte, gleichzeitig sind die Ergebnisse beispielsweise zum Immunsystem nicht einheitlich.

Und was bedeutet das fürs Immunsystem?

Gerade dieser Punkt interessiert uns besonders.

Denn wer möchte nicht möglichst lange gesund, widerstandsfähig und fit durchs Leben gehen?

Regelmäßige, dosierte Kältereize könnten bestimmte Anpassungsprozesse im Körper beeinflussen. In Untersuchungen wurden beispielsweise Veränderungen verschiedener Immunmarker beobachtet.

Das bedeutet aber noch nicht automatisch:

Wer eisbadet, bekommt keine Erkältung mehr.

So weit ist die Forschung nicht.

Es gibt Hinweise, es gibt interessante Beobachtungen und es gibt Menschen, die persönlich davon berichten, sich durch regelmäßiges Eisbaden widerstandsfähiger zu fühlen.

Auch Tine beschreibt beispielsweise, dass sie sich seit ihrer Beschäftigung mit Biohacking und Eisbaden stressresistenter und weniger anfällig für Infekte empfindet.

Das ist ihre persönliche Erfahrung – kein medizinisches Wirkungsversprechen.

Und genau diesen Unterschied finden wir wichtig.

Vielleicht liegt ein Teil der Wirkung auch ganz woanders

Was uns am Eisbaden besonders fasziniert, lässt sich ohnehin nicht nur über Blutwerte erklären.

Stell dir vor:

Du stehst an einem kalten Wintermorgen am Ufer.

Vor dir der Schleinsee.

Dein Kopf liefert ungefähr zwölf vernünftige Argumente dafür, die Kleidung lieber anzulassen.

Und trotzdem entscheidest du dich bewusst dafür, einen Schritt nach dem anderen ins Wasser zu gehen.

Nicht, weil dich jemand zwingt.

Sondern weil du ausprobieren möchtest, was passiert.

Dann kommt die Kälte.

Der erste Atemzug.

Der Impuls umzukehren.

Und irgendwann vielleicht dieser Moment, in dem der Atem wieder ruhiger wird.

Du bist immer noch im kalten Wasser.

Und plötzlich merkst du:

Ich bin ruhig.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Menschen vom Eisbaden so begeistert sind.

Man erlebt unmittelbar, dass ein unangenehmer Reiz nicht automatisch bestimmen muss, wie man reagiert.

Das lässt sich nicht eins zu eins auf jeden Stressmoment im Alltag übertragen.

Aber die Erfahrung kann ziemlich eindrücklich sein.

Wie lange Eisbaden? Es ist keine Mutprobe

Ein Punkt ist uns dabei besonders wichtig:

Eisbaden bedeutet nicht, möglichst lange im Wasser zu bleiben.

Und es bedeutet erst recht nicht, sich gegenseitig etwas beweisen zu müssen.

Mehr ist hier nicht automatisch besser.

Die Kälte stellt für den Körper eine erhebliche Belastung dar. Besonders die ersten Sekunden im Wasser können durch die Kälteschockreaktion problematisch werden.

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen sollten deshalb vor dem Eisbaden ärztlich klären, ob diese Form der Kälteexposition für sie geeignet ist.

Faustregel für gesunde Erwachsene gilt: Einsteiger bleiben 30 Sekunden bis 2 Minuten im kalten Wasser, Geübte können bis zu 5, in Einzelfällen bis 10 Minuten ausdehnen. Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als das eigene Gefühl: Sobald Zittern, Taubheit oder Atemnot einsetzen, raus aus dem Wasser.

Und bitte:

Nicht allein im Winter in einen See steigen.

Auch gesunde Menschen können die Reaktion ihres Körpers auf extreme Kälte unterschätzen. Fachleute empfehlen, sich schrittweise an kaltes Wasser zu gewöhnen und gerade als Anfänger das Eisbaden begleitet zu beginnen.

Genau deshalb gefällt uns der Ansatz von Tine so gut.

Hier geht es nicht um:

Augen zu und rein.

Sondern um Vorbereitung, bewusste Atmung, Körperwahrnehmung und eine professionelle Begleitung.

Kann ich Eisbaden auch ausprobieren, wenn ich noch nie im kalten Wasser war?

Gerade dann.

Unser Retreat richtet sich nicht nur an erfahrene Eisbader.

Im Gegenteil.

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die Bilder von Eisbadern sehen und sofort sagen:

„Niemals. Das könnte ich nicht.“

Vielleicht duschst du schon seit einiger Zeit kalt.

Vielleicht hast du schon einmal im Herbst gebadet und möchtest den nächsten Schritt wagen.

Oder vielleicht interessiert dich überhaupt nicht, irgendwelche Rekorde aufzustellen – du möchtest einfach etwas Neues kennenlernen, dich wieder stärker spüren und bewusst ein Wochenende aus deinem normalen Alltag aussteigen.

All das darf ein Grund sein.

Es geht nicht darum, wie „hart“ jemand ist.

Es geht darum, den eigenen Körper wahrzunehmen und die persönlichen Grenzen respektvoll kennenzulernen.

Mental ICEBATH am Schleinsee – ein Wochenende zwischen Kälte und Ruhe

Vom 29. bis 31. Januar 2027 findet deshalb bei uns auf dem Hofgut Schleinsee das Retreat

Mental ICEBATH – spüre den Herzschlag des Eises

mit Tine Stierle statt.

Und nein – das bedeutet nicht, dass wir euch drei Tage lang frieren lassen.

Eigentlich geht es um das Gegenteil.

Das Wochenende lebt vom Wechsel.

Kälte und Wärme.

Bewegung und Ruhe.

Gemeinschaft und Rückzug.

Anspannung und Loslassen.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die geführten Eisbäder direkt im Schleinsee.

Dazu kommen eine kleine Kältewanderung, bewusst geführte Atemübungen, Atemeinheiten und sanftes Yin Yoga.

Dazwischen bleibt Zeit.

Zum Aufwärmen.

Zum Nachspüren.

Für Gespräche.

Für die Natur.

Oder einfach dafür, einmal nichts zu müssen.

Genau das gefällt uns an diesem Retreat besonders.

Denn unser Hofgut soll nicht der Ort sein, an dem das nächste möglichst volle Programm abgearbeitet wird.

Der Schleinsee, unsere Wiesen und die ruhige Lage abseits des Trubels schaffen einen natürlichen Gegenpol zum Alltag.

Und vielleicht braucht es manchmal genau diese Kombination:

Ein bisschen Herausforderung, damit der Kopf wach wird.

Und ganz viel Ruhe, damit er anschließend wieder leiser werden darf.

Warum ausgerechnet im Januar?

Weil der Schleinsee dann eine ganz eigene Atmosphäre hat.

Im Sommer kennen viele unseren See lebendig.

Menschen sitzen am Ufer, Kinder spielen draußen, irgendwo wird gelacht, im Hof ist Bewegung.

Im Winter verändert sich der Ort.

Die Landschaft wird stiller.

Die Farben werden zurückhaltender.

Man hört plötzlich Dinge, die im Sommer untergehen.

Schritte.

Wind.

Vögel.

Den eigenen Atem.

Und vielleicht irgendwann sogar nur noch den eigenen Herzschlag.

Für ein Wochenende, bei dem Wahrnehmung und Konzentration eine so große Rolle spielen, können wir uns kaum eine passendere Jahreszeit vorstellen.

Vielleicht musst du nicht härter werden – sondern bewusster

Das gefällt uns am Thema Eisbaden inzwischen wahrscheinlich am meisten.

Natürlich ist da die Kälte.

Natürlich braucht es Überwindung.

Und natürlich fühlt man sich vermutlich ziemlich großartig, wenn man hinterher wieder warm angezogen mit einer heißen Tasse in der Hand dasteht und denkt:

Ich war gerade wirklich da drin.

Aber vielleicht geht es gar nicht darum, härter zu werden.

Vielleicht geht es darum, den eigenen Körper wieder besser wahrzunehmen.

Zu merken, wie eng Atmung, Gedanken und körperliche Reaktionen miteinander verbunden sind.

Sich bewusst einer Herausforderung zu stellen.

Und danach genauso bewusst wieder loszulassen.

Dafür braucht man keinen Extremsport.

Manchmal braucht man nur einen kalten See.

Und jemanden, der einem zeigt, wie man hineingeht.

 

Hier geht es zu Informationen & Buchung : Mental ICEBATH – spüre den Herzschlag des Eises

  1. bis 31. Januar 2027
    Hofgut Schleinsee bei Kressbronn am Bodensee

Mit ICE Coachin Tine Stierle

Mit geführten Eisbädern im Schleinsee, Atemübungen, Kältewanderung, Yin Yoga, Natur, Rückzug und Gemeinschaft.

 

Wichtig zu wissen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Eisbaden und starke Kältereize belasten insbesondere Herz und Kreislauf. Wer Vorerkrankungen hat, Medikamente einnimmt oder unsicher ist, sollte vorher ärztlich abklären, ob Eisbaden geeignet ist. Anfänger sollten nicht allein in sehr kaltes Wasser steigen und sich langsam und fachkundig begleitet an Kälte gewöhnen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Cain T. et al. (2025): Effects of cold-water immersion on health and wellbeing: A systematic review and meta-analysis, PLOS ONE.
  • Knechtle B. et al. (2020): Cold Water Swimming – Benefits and Risks: A Narrative Review, International Journal of Environmental Research and Public Health.
  • American Heart Association: Informationen zur Kälteschockreaktion und zu möglichen Herz-Kreislauf-Risiken beim Eintauchen in kaltes Wasser.
  • Biohacking Bad Dürrheim: Profil und Qualifikationen von Tine Stierle.
  • Stuttgarter Zeitung/KRZ: Interview und Porträt über ICE Coachin Tine Stierle und ihre Arbeit mit Eisbaden.
  • Hofgut Schleinsee: Veranstaltungsinformationen zum Retreat „Mental ICEBATH – spüre den Herzschlag des Eises“.